Offner Brief an Landwirtschaftsministerin Aigner anlässlich der Grünen Woche 2010

"Tier & Mensch e.V.
Vorsitzende und Kontaktbüro Bodensee
Karin Ulich, Alte Landstr. 27, 88138 Sigmarszell
www.tumev.de

Sehr geehrte Frau Aigner!

Die Grüne Woche in Berlin versteht sich als „Leistungsschau der deutschen Landwirtschaft". Wir halten das für eine Täuschung der Bürger. Denn die wirkliche Leistung bei der Erzeugung von Agrarprodukten wird in Agrarfabriken und Massen­tierhaltungen erbracht. Und die werden den Besuchern nicht gezeigt Warum zeigt man nicht mal Hühnerkäfige (genannt „Kleingruppenhaltung") oder Puten- und Hühnchenmastbetriebe in der üblichen dichten Besetzung? Die Firma Wiesenhof z.B. wäre wohl gern bereit, mit einem Anschauungsobjekt zu dienen. Es könnte ein Viehtransporter ausgestellt werden oder auch ein Schlachtbetrieb.
Sollte man argumentieren, das wäre den Tieren im Rahmen einer Ausstellung nicht „zumutbar", so bestände alternativ durchaus die Möglichkeit, dem Publikum Filme zu zeigen, die die wahren Leistungen der Tierfabriken darstellen. Die Verbände „peta" und „Vier Pfoten" könnten reichlich Material beisteuern. Denn die Verbrau­cher können die von Ihnen geforderte Verantwortung doch nur dann wahrnehmen, wenn sie wahrheitsgemäß informiert werden.
Nun haben Sie vor einigen Wochen einer Pressemeldung zufolge verkündet, dass Ihrer Meinung nach der Bundesbürger zu viel Fleisch isst. Auch Sie wollen sich be­mühen, zukünftig nur mit der Hälfte auszukommen. Wenn das so ist, dann sehen wir Sie auf unserer Seite. Auch wir sind gegen Billigfleisch, das nur in tierquälerischen Intensivhaltungen erzeugt werden kann. Wir halten die Massentierhaltun­gen für eines der größten Übel, das mit verantwortlich ist für die Schäden, die in zu­nehmendem Maße an Klima, Umwelt und Natur angerichtet werden. Ganz zu schweigen von der entsetzlichen Tierquälerei und den Gefahren für die menschliche Gesundheit.
Nun wissen Sie genau so gut wie wir, dass sich die Mehrheit der Bürger durch Empfehlungen oder Appelle nicht zu einer vernünftigen Ernährung überreden las­sen wird. Warum nicht einfach die Massentierhaltung verbieten oder wenigstens durch strengere Haltungsrichtlinien einschränken und damit erträglicher machen, wie es eigentlich unser Tierschutzgesetz (§§ 1 und 2) schon lange fordert? Warum nicht eine ordentliche Fleischsteuer einführen? Wenn in Dänemark eine Fettsteuer beschlossen und in den Niederlanden über eine Zuckersteuer diskutiert wird, dann sollte bei uns eine Fleischsteuer durchaus machbar sein.
In zahllosen Veröffentlichungen, Vorträgen, Untersuchungen von Wissenschaftlern weltweit wird auf die Nachteile der übermäßigen Fleischproduktion hingewiesen - und das seit Jahren. Jeder, der sich informieren will, weiß das. Aber die Politiker ignorieren es.
Warum?

V.i.S.d.P.: Karin u. Ernst Ulich