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So
sieht die grausame Realität aus..."Es gibt einen besseren Ort dort draußen - irgendwo hinter diesem Hügel." Ihre emotionsgeladene Stimme schwappte über. Sie schwelgte wieder in ihren Phantasien. "Und alles ist groß und weit und es gibt viele Bäume. Und Gras. Könnt ihr euch das vorstellen? Kühles, grünes Gras!" Ginger verlor sich in ihren Träumen. (Henne Ginger in: Weiss, Ellen: Chicken Run - Hennen Rennen. Junior Roman. Nürnberg 2000, S. 23.) Die grausame Realität ist leider
so, daß Millionen von Legehennen auf engstem Raum ihr
Dasein fristen müssen und nach 1,5 Legejahren aufgrund
angeblich abnehmende Legeleistung geschlachtet werden.
Sie sehen nie das Licht der Sonne oder spüren den
frischen Rasen unter ihren Füßen, können nicht
scharren, nicht sand- und sonnenbaden, wie Hühner es
eigentlich so gern tun, können auch nicht in Ruhe ihre
Eier legen, ja sie können sich noch nicht einmal
strecken. Weil sie so eng und reizlos gehalten werden,
picken die eigenen und die Federn der Artgenossinnen aus,
verstümmeln sich selbst. Die Hähnchenküken werden
gleich zu Beginn getötet, d. h. vergast oder zerhäckselt,
denn sie können ja keine Eier legen. Warum wird den Hühnern überhaupt so etwas angetan? - Natürlich, es geht immer um den wirtschaftlichen Profit. So heißt es in einem Ratgeber-Buch zur Erbauung von Geflügelställen: Keine Haltungsform wird auf Dauer Bestand haben, wenn sie nicht zur Durchsetzung wirtschaftlich begründeter Leistungsziele geeignet ist. (Tüller, Raimund/Allmendinger, Adolf: Geflügelställe. Stuttgart 1990. S. 112.) Immerhin klingt es fast wie ein Bedauern, wenn die Verfasser schreiben: "Die Massierung von Tieren im Stall geschah und geschieht weiter unter dem Zwang zur Senkung der Erzeugniskosten auf den niedrigsten Stand" (S. 92). In jenem Buch werden Tipps zum Bau und zur Einrichtung von Geflügelställen gegeben und die Bodenhaltung sowie Legebatteriehaltung wird als recht fortschrittlich bewertet. Es kommt kein Zweifel daran auf, ob diese Haltungsformen überhaupt annähernd artgerecht sind, es geht ausschließlich um gute Leistung und niedrige Kosten. Die Bilder in dem Buch zeugen von der unwürdigen Enge, die für diese althergebrachten Haltungsformen typisch ist.
Zwei "neuere Käfigformen" werden diskutiert und auf ihre Leistung hin geprüft: der Ausweichkäfig (get-away) und der Flachkäfig (reverse). Zum Ausweichkäfig wird hervorgehoben, daß er größer ist und mehr Tiere aufnehmen kann, "z. B. 16 bis 20 Hennen bei einer Grundfläche von 100 cm x 65 cm und eienr Höhe von 80 bis 90 cm" (S. 121). Man stelle sich einmal 20 Hennen in so einem engen Stall vor. Der Vorteil soll gerade darin liegen, daß sie einander bei Streitigkeiten ausweichen können... Zum Flachkäfig gibt es eine geschönte Zeichnung, bei der der Zeichner wohl an Zwerghühner gedacht haben muß bei den Proportionen, denn 30 x 60 cm sind gerade mal drei DinA-Blätter aneinandergelegt.
Als Gefahr erkennen die Autoren immerhin, daß "mit der Steigerung der Tierzahlen/m² Stallfläche [...] das Erzeugungsrisiko [wächst], da die Krankheitsgefahr erhöht ist" (S. 92). Aber niemand denkt an die Tiere an sich... |